Zu Besuch bei: Dachsenfranz Biermanufaktur

Die „Dachsenfranz Biermanufaktur“ aus Zuzenhausen braut mittlerweile in der 7. Generation Biere aus regionalen Rohstoffen – kein Wunder also, dass Braumeister Tilman Werner bei unserem Besuch einiges zu erzählen hatte.

Im Jahr 1832 wurde dem Adlerwirt Georg Obländer das Braurecht verliehen, kurz darauf gründete Heinrich Werner die Brauerei unter dem Namen „Adlerbräu“. Was einst mit einer einzigen Biersorte begann, hat sich zu einem waschechten Familienunternehmen entwickelt. So sind heute neben den beliebten saisonalen Bieren sieben weitere Biere dauerhaft im Sortiment der Brauerei in Zuzenhausen.

Aus „Adlerbräu“ wird „Dachsenfranz“

Über Generationen hinweg wurde in Zuzenhausen also unter dem Namen „Adlerbräu“ gebraut. Schon damals war das Unternehmen ein Familienbetrieb – geleitet von den Männern der Familie Werner, die allesamt Brauer, Bauer und „Adlerwirt“ in einer Person waren. Nach dem Ersten Weltkrieg übernahm Herbert Werner die Brauerei, dessen Sohn Wilhelm wiederum die Spezialisierung und den Ausbau der Marke „Dachsenfranz“ in Angriff nahm. 1993 wurde schließlich das erste Bier unter dem neuen Namen gebraut – die „Dachsenfranz Biermanufaktur“ war also geboren. Doch wer oder was ist eigentlich dieser Dachsenfranz?

Der Dachsenfranz – oder wie die Brauerei zu ihrem Namen kam

In Mailand geboren, floh Franco Regali nach einem tödlichen Streit mit seinem Vorgesetzten, dem italienischen Freiheitskämpfer Garibaldi, über Österreich und Bayern nach Baden-Württemberg – genauer in den Kraichgau, wo er seine neue Heimat fand. Er wohnte in selbst gebauten Erdhöhlen und war als Fallensteller und Raubtierfänger tätig, wodurch er bei den Menschen in der Region äußerst beliebt war. So fing er nicht nur Ratten und Mäuse auf den Bauernhöfen, sondern ging in den umliegenden Wäldern zudem auf die Jagd nach Dachsen, Füchsen und Mardern.

Seinen Lebensunterhalt verdiente er mit dem Verkauf der gewonnenen Felle sowie selbst zubereitetem Dachsfett und anderen Kräuterheilmitteln. Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs verschwand er genauso mysteriös, wie er gekommen war – und ist noch heute Teil der Kraichgauer Geschichte. Der Mythos um den „Dachsenfranz“ hat auch die alteingesessene Familie Werner in Zuzenhausen in ihren Bann gezogen, weshalb schließlich aus „Adlerbräu“ die „Dachsenfranz Biermanufaktur“ wurde.

Regionalität als Alleinstellungsmerkmal

Die regionale Verbundenheit der Familie Werner zeigt sich auch in den Zutaten, die für die Herstellung der Biere verwendet werden – natürlich unter Einhaltung des Deutschen Reinheitsgebots: So stammt die Gerste ausschließlich aus dem Kraichgau und wird in einem Umkreis von maximal 50 Kilometern geerntet. „Man kann quasi genau nachvollziehen, von welchem Acker die Gerste kommt“, sagt Tilman Werner, der die Brauerei gemeinsam mit seinem Vater führt. In der Mälzerei Kling in Schriesheim wird die Kraichgauer Gerste schließlich zu Braumalz in ausgezeichneter Qualität verarbeitet.

„Wir möchten unsere Rohstoffe so regional wie möglich beziehen und die heimische Landwirtschaft unterstützen – auch wenn es mehr kostet“, so Herr Werner. Daher stammt auch der Hopfen im weitesten Sinne aus der Nähe, genauer gesagt aus Tettnang, dem einzig verbliebenen Anbaugebiet in Baden-Württemberg, das weltweit zu den führenden Anbietern von hochfeinem Aromahopfen zählt. Natürlich kommt in Zuzenhausen auch Hallertauer Hopfen zum Einsatz: Dieser wird zwar nicht im Kraichgau angebaut, sorgt durch seine ausgezeichnete Qualität aber für den einzigartigen Geschmack der „Dachsenfranz“-Biere.

Der wichtigste Rohstoff: Die Zeit

Neben Hopfen, Malz, Hefe und Wasser ist bei der „Dachsenfranz Biermanufaktur“ noch eine weitere Zutat wichtiger Bestandteil der Biere – nämlich Zeit. „Bei uns ist das Bier bereits vier bis sechs Wochen alt, wenn es die Brauerei verlässt und nicht erst 14 Tage wie bei den großen Brauereien“, erklärt uns Herr Werner. Das wirkt sich natürlich auch auf den Geschmack der Biere aus, so sind regionale Biere aus Familienbrauereien seiner Meinung nach die besseren Biere, was er uns an einem Beispiel verdeutlicht: „Wenn Sie die Wahl zwischen einer Tiefkühlpizza und einer Steinofenpizza von Ihrem Lieblingsitaliener haben, für welche entscheiden Sie sich dann?“

Was die Zukunft bringen soll

Auch wenn der Bierkonsum stetig rückläufig ist und viele Brauereien bereits schließen mussten, hofft Herr Werner, dass sich das Familienunternehmen auch weiterhin am Markt behaupten kann. Der Brauereialltag ist schließlich mehr als abwechslungsreich: Ob Vertrieb, Produktion oder im direkten Kontakt mit dem Kunden – der Braumeister hat jeden Tag Spaß an seiner Arbeit, auch wenn der Job im Familienbetrieb mit einigen Entbehrungen einhergeht. „Klar hat man wenig Freizeit, geschweige denn Urlaub. Ich bin das aber gewohnt, da ich in das Unternehmen ja von Kindesbeinen an reingewachsen bin. Das klappt natürlich nur, wenn man mit Leib und Seele dabei ist“, so Herr Werner – und das ist er.

Gegen Ende des Interviews gibt er uns noch einen Geheimtipp mit auf den Weg: Das 4-gängige Biermenü im „Brauereigasthof Dachsenfranz“ – hier wird zu jedem Gang ein passendes Bier gereicht. Der Clou: Alle Speisen werden mit den hauseigenen Bieren verfeinert. „Bisher war davon jeder begeistert“, verrät uns Herr Werner. 

Weitere Informationen zur traditionsreichen Brauerei und dem angrenzenden Brauereigasthof finden Sie hier. Die Biere wiederum gibt es natürlich auch bei uns.